Eric's Schwester

  Elisabeth Joelle geb. am 07.10.2002    

Nachdem ich Eric verloren hatte war der Gedanke an eine neue Schwangerschaft einfach nur unerträglich. Für mich war klar, dass ich nie wieder ein Kind wollte, denn das was ich hatte, hatte ich ja verloren.

Ich denke aber, dass es viele Frauen gibt, die in ähnlichen Situationen genauso dachten wie ich.
Aber mit der Zeit änderte sich meine Einstellung dazu und Mirko und ich "beschlossen" eine weitere Schwangerschaft zu planen.
Allerdings konnten wir planen soviel wir wollten, denn irgendwie schien mein Körper noch nicht bereit dazu zu sein, denn ich wurde nicht sofort wieder schwanger.

Eines Tages im Februar des Jahres 2002 hielt ich dann allerdings wieder einen positiven Test in den Händen und wir wussten Eric sollte ein Geschwisterchen bekommen.
Ich hatte bis dahin immer geglaubt, dass die ersten Schwangerschaftswochen mir überhaupt keine Angst machen würden, da mein trauriger Verlust ja am Ende der Schwangerschaft war, aber ich hatte mich total geirrt.
Ich war panisch vor Angst und glaubte ständig auch dieses Kind zu verlieren.
Ein weiteres ganz eigenartiges Gefühl -für das ich mich im Nachhinein unheimlich schäme- kam ebenfalls dazu. Ich konnte nur sehr schwer eine Bindung zu diesem kleinen Wesen in mir aufbauen. Bis ungefähr zur 20. Schwangerschaftswoche habe ich mir eingeredet, dass ich unser zweites Baby nicht liebe. Ich glaubte im stillen, dass wenn ich es wieder verlieren würde es dann nicht so weh tut !!! Heut weiß ich, dass das absoluter Blödsinn war, und mir tun diese Gefühle von damals unheimlich leid ...

Glücklicherweise war Mirko schon zu dieser Zeit ein wunderbarer Vater für unser kleines "PompoM". Er streichelte meinen Bauch, redete mit "ihm" und übernahm all das was ich (noch) nicht konnte.

Leider tauchten aber auch in dieser Schwangerschaft wieder sehr ähnliche Probleme wie bei Eric auf.
Ungefähr in der 23. Schwangerschaftswoche wurde festgestellt, dass das Wachstum um ca. eine Woche zurück lag und auch meine Durchblutung nicht optimal wäre. Natürlich hatten wir ab diesem Zeitpunkt noch mehr Angst um "PompoM" als ohnehin schon.
Wir wurden zu sehr engmaschigen Kontrollen zusätzlich in die Uniklinik bestellt und jedesmal fuhren wir mit sehr viel Bangen aber gleichzeitig auch mit unendlich viel Hoffnung zu diesen Terminen.

Ja, und dann kam sie wieder die 34. Schwangerschaftswoche - meine Schicksalswoche mit Eric.
Ein normaler Vorsorgetermin bestätigte mit meine inneren Unruhen. "PompoM" war innerhalb der letzten zwei Wochen gar nicht gewachsen, und das hieß natürlich sofort Einweisung ins Krankenhaus.

Unsere Ängste waren kaum auszuhalten und wir fragten uns wie es nun weitergehen würde???
Nach eingehenden Untersuchungen sagte man uns, dass es "PompoM" soweit gut ginge, und es noch keine Einleitung geben muss. Das geschätzte Gewicht betrug damals 1.952 Gramm. (Ich hab immer sehr viel Wert auf die 2 Gramm gelegt, denn irgendwie mussten wir versuchen uns etwas aufzuheitern ...)

Jeden Tag wurde 3-4 Mal CTG geschrieben, mit der Option, dass bei der geringsten Verschlechterung sofort ein Kaiserschnitt gemacht werden würde.

Ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was ich mir wünschte, dass unser zweites Kind sofort geboren werden sollte um zu leben, oder ob ich ihm lieber noch einige Wochen "in mir" gönnen sollte damit es weiterwachsen könne?!
Diese Entscheidung wurde dann aber von uns genommen, indem die betreuende Uniklinik entschied die Geburt spätestens in der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche einzuleiten.

Tja, und irgendwann hatten wir dann einen geplanten Geburtstag für Erics Schwester...

Am Montag, dem 07. Oktober 2002 wurde unsere Tochter Elisabeth Joelle mit einem Geburtsgewicht von 1.990 Gramm und einer Größe von 45 cm um 13.43 Uhr gesund geboren!!!
Ihre erste Lebenswoche verbrachte sie im Inkubator, und nach drei weiteren Wochen durften wir endlich mit ihr nach Hause.

Ich war niemals eine glückliche Schwangere, aber wenn wir damals nicht wieder den Mut gehabt hätten, dann würden wir sie heut nicht bei uns haben.

Ich glaube ganz fest daran, dass Eric seine kleine Schwester die ganze Zeit über beschützt hat, und das auch heut immer noch tut.

Manchmal wenn ich sie anschaue, dann ertappe ich mich dabei, dass ich mich frage ob es wohl ein klein wenig Eric's Augen sind die mich anschauen, ob es wohl ein klein wenig Eric's Lächeln ist, dass mir zublinzelt, ob es wohl ein klein wenig Eric's Hände sind die mir ins Gesicht patschen ...
Ich werde darauf nie eine hundertprozent genaue Antwort erhalten, aber ich versuche daran zu glauben, um durch unsere "Liese" auch Eric ein kleines bisschen sehen zu können ...

 


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