... die Zeit danach

Ab wann beginnt eigentlich "... die Zeit danach"? Ist nicht alles was seit Eric's Geburt am 30. Dezember im Jahr 2000 passiert ist ein "Danach"?

Da Eric's Geburt als "normale Geburt zählte, standen mir nun also 8 Wochen Mutterschutz zu (eigentlich sogar 12, da Eric in der 34. Woche als Frühgeburt zählte, aber das wusste ich damals nicht, und auch die Krankenkasse hat mich in keinster Weise darauf hingewiesen!).
Mirko konnte nicht mehr zu Hause bleiben, also war ich relativ oft allein, obwohl meine Familie immer für mich dagewesen wäre. Aber ich wollte sie alle nicht sehen, ich war froh, dass ich allein war, denn somit konnte ich meinen Gedanken nachgehen.
Aber wie waren meine Gedanken eigentlich damals. Ich weiß noch, dass ich es unverständlich fand, dass das Leben "draussen" einfach so weiterging. Wie war das nur möglich, dass die Erde sich weiter drehte, obwohl ich doch das Gefühl hatte sie wäre von einer Minute zur anderen stehen geblieben. Ja es war einfach so, mein Leben und auch das von Mirko hatte sich völlig verändert.
Ich empfand alles für unwichtig und spürte eine lähmende Leere in mir.

Irgendwann traf ich dann allerdings die Entscheidung, dass es besser für mich wäre wenn ich sofort wieder arbeiten ginge, um somit wieder eine "geregelte" Aufgabe zu haben. Ich glaubte, dass es mir guttäte wenn ich abgelenkt wäre, mich konzentrieren müsste und mich nicht mehr nur zu Hause einigeln würde.
Also begann ich am 1.Februar wieder meinen Dienst, genau vier Wochen nach Eric's stiller Geburt.
Aus heutiger Sicht muss ich allerdings sagen, dass diese Entscheidung vollkommen verkehrt war. Ich war zwar auf Arbeit, aber eigentlich war ich dort gar nicht. Meine Gedanken kreisten nach wie vor immer nur um mein "totes Kind"...
Genau in dieser Zeit erzählte mir dann eine Kollegin von den Seiten der
Schmetterlingskinder.

Vorher hatte ich nie davon gehört, und ich begann in jeder freien Minute auf der Homepage zu lesen. Ich bemerkte, dass es in den Foren dort Menschen mit genau denselben Schicksalen wie meinem gab, und ich fühlte mich dort "verstanden". Ich weiß, dass es meiner Familie sehr weh tat, dass ich mich vor ihnen verschloß und mich im Forum öffnete, aber damals war das mein Weg!
Nun ging ein Tag nach dem anderen vorbei, und ich bemerkte , dass mich das ständige Suchen nach Eric ganz verrückt machte. Dadurch dass wir keine Bilder von ihm hatten, hatte ich auch nicht das Gefühl ihn dennoch bei mir zu haben ...

Meine Tante gab mir dann im März den Rat mich nochmals an die Hebamme zu wenden die bei unserer Geburt dabei war, um sie nach dem Aussehen meines Sohnes zu befragen.
Noch am selben Tag war ich am Abend im Krankenhaus bei ihr und wir führten ein sehr langes, liebevolles Gespräch. Sie konnte sich noch sehr gut an uns, und unsere traurige Geschichte erinnern. Als ich sie allerdings nach Eric befragte, musste auch sie passen. Sie hatte sich extra nochmals ihre Aufzeichnungen dazugenommen, aber Details wie seine Haarfarbe oder ein anderes für mich so wichtiges Merkmal konnte sie mir nicht nennen.
Wieviel hatte ich mir doch von diesem Gespräch versprochen ... sie war die Einzige die Eric jemals gesehen hatte, und doch konnte auch sie mir nicht weiterhelfen.

Eigentlich war ich unendlich traurig darüber, aber dennoch weiß ich, dass es durch mein Gespräch mit ihr niemals wieder passieren wird, dass keine Fotos von totgeborenen Babys gemacht werden. Sie versprach mir, dass sie in ähnlichen Situationen diese "besonderen" Kinder fotografiert, um die Fotos dann den Eltern zu einem späteren Zeitpunkt zukommen zu lassen. Uns konnte das nicht mehr helfen, aber hoffentlich denen die nach uns kamen ...


Ein sehr schwieriges Kapitel war für mich zu dieser Zeit meine Beziehung zu Mirko. Ich glaube ich war unausstehlich, und habe ihn verletzt wo ich nur konnte. Ich hatte das Gefühl durch Eric's Tod selbst verletzt worden zu sein, und nahm mir deshalb das Recht heraus auch ihm weh zu tun. Er konnte tun und lassen was er wollte, und doch konnte er mir nichts recht machen ...
Natürlich war mir klar das auch er trauerte, zwar auf eine andere Art und Weise als ich, aber dennoch hatte auch er seinen Sohn verloren. Aber damals interessierte mich das nicht im geringsten.

Mein Ziel damals war, dass er mich verlassen sollte. Ich wollte allein sein, niemanden um mich haben ...
Aber warum hab ich ihn nicht verlassen ... Ich wollte diesen Schritt nicht gehen, sondern verlangte ihn von ihm.

Ich weiß heute, dass das sehr ungerecht und vor allen Dingen auch sehr bösartig war. Heut schäme ich mich für mein Verhalten von damals, und hoffe dass er mir verzeiht! (Ich weiß, dass er es getan hat!)

Ich merke, dass ich jemehr ich zu diesem Thema "... die Zeit danach" erzählen möchte, Erinnerungen wieder auftauchen, die ich fast vergessen glaubte.
Ich denke, dass ich gerade auf dieser Seite immer wieder einige Dinge ergänzen werde um somit auch für mich selbst zu sehen wie die "Zeit danach" geworden ist.

Heut kann ich sagen, dass sich meine Trauer sicherlich verändert hat. Sie ist nicht mehr der Mittelpunkt meines Lebens, denn den füllen nun wieder Elisabeth und Mirko aus, aber dennoch ist die Trauer um Eric immer ein Stück weit neben mir.
Gerade in den letzten Tagen steht sie wieder recht stark im Mittelpunkt, aber auch weil ich glaube, dadurch dass es uns vergönnt ist unseren Sonnenschein Elisabeth Joelle aufwachsen zu sehen, können wir umsomehr nachvollziehen was wir mit Eric verloren haben ...

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